So nutzt du die Timeshift-Funktion deiner 360° Kamera richtig
Die meisten Besitzer einer 360° Kamera nutzen nur einen Bruchteil der Möglichkeiten ihrer Kamera. Eine der spannendsten Funktionen wird dabei erstaunlich oft übersehen: Timeshift.
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Warum Timeshift zu den unterschätztesten Funktionen einer 360° Kamera gehört
Wer sich eine 360° Kamera kauft, denkt meistens zuerst an den Tiny-Planet-Effekt oder an spektakuläre Weitwinkelaufnahmen. Genau diese Funktionen sieht man schließlich ständig auf YouTube oder in sozialen Netzwerken. Dabei besitzt nahezu jede moderne 360° Kamera noch eine weitere Funktion, die für Familienfilme mindestens genauso spannend ist: Timeshift.
Das Besondere daran ist, dass du damit nicht einfach nur einen Ort filmst. Du hältst vielmehr den Weg fest, den ihr während eures Urlaubs immer wieder gegangen seid. Genau diese alltäglichen Wege sind es später häufig, die besonders viele Erinnerungen auslösen. Vielleicht war es der Spaziergang vom Hotelzimmer zum Frühstück, der Weg zum Pool oder der kurze Pfad hinunter an den Strand. Während des Urlaubs erscheinen solche Wege völlig selbstverständlich. Jahre später sind genau sie oft der Auslöser für die stärksten Erinnerungen. Und genau deshalb lohnt es sich, sie bewusst in deinen Urlaubsfilm einzubauen.
Der eigentliche Trick beginnt schon vor der Aufnahme
Eine gute Timeshift-Aufnahme entsteht nicht zufällig. Bevor du überhaupt auf Aufnahme drückst, solltest du dir überlegen, welche Strecke sich besonders gut eignet. Du kannst natürlich gezielt eine schöne Wegroute auswählen. Oft reicht es aber völlig aus, einfach den Weg zu nehmen, den ihr während eures Urlaubs sowieso jeden Tag lauft. Vielleicht den Weg vom Hotelzimmer zum Pool, zum Restaurant oder zur Strandbar. Gerade diese Strecken prägen später das Gefühl eures Urlaubs viel stärker, als man während der Reise überhaupt bemerkt.
Jetzt hältst du deine 360° Kamera möglichst ruhig und gerade vor dir und gehst den Weg gleichmäßig entlang. Versuche hektische Bewegungen zu vermeiden. Um den späteren Bildausschnitt musst du dir jetzt überhaupt keine Gedanken machen. Genau das ist einer der größten Vorteile einer 360° Kamera. Bilderschnitt, Kameraschwenks und Perspektivwechsel legst du erst später in der Videobearbeitung fest. Während der Aufnahme kannst du dich deshalb ganz entspannt auf einen ruhigen Bewegungsablauf konzentrieren.
Warum die Bildgestaltung erst nach der Aufnahme beginnt
Das unterscheidet eine 360° Kamera grundlegend von einer normalen Kamera oder einem Smartphone. Dort musst du bereits beim Filmen entscheiden, wohin die Kamera zeigt und welchen Bildausschnitt du festhalten möchtest. Bei einer 360° Kamera verschiebst du diese Entscheidung einfach auf später. Erst am Computer suchst du dir in Ruhe die schönste Perspektive aus und kannst sogar sanfte Kamerafahrten erzeugen, die während der Aufnahme überhaupt nicht möglich gewesen wären.
Dadurch entstehen unglaublich ruhige und hochwertige Bewegungen. Der Zuschauer hat später das Gefühl, gemeinsam mit euch durch die Hotelanlage zu spazieren. Genau dieses Gefühl macht Timeshift so besonders. Es geht nicht darum, möglichst spektakuläre Effekte zu erzeugen, sondern Erinnerungen lebendig werden zu lassen.
Ein einfacher Trick macht deine Timeshift-Aufnahmen noch emotionaler
Besonders schön wird der Effekt, wenn du dieselbe Strecke zweimal aufnimmst. Laufe den Weg einmal tagsüber bei Sonnenschein und später noch einmal am Abend oder in der Dämmerung. In der Videobearbeitung kannst du beide Aufnahmen anschließend ineinander überbalenden. Dadurch entsteht ein wunderschöner Übergang zwischen Tag und Nacht.
Plötzlich wirkt dieselbe Hotelanlage völlig anders. Tagsüber herrscht Leben am Pool, Kinder spielen im Wasser und überall scheint die Sonne. Wenige Stunden später leuchten die Wege, die Hotelbeleuchtung sorgt für eine warme Atmosphäre und derselbe Ort wirkt ruhig und entspannt. Genau dadurch erinnerst du dich später wieder daran, wie ihr jeden Abend zum Essen gegangen seid oder noch einen kleinen Spaziergang durch die Anlage gemacht habt. Diese Emotionen lassen sich mit einzelnen Fotos kaum festhalten.
Natürlich ist die Qualität solcher Nachtaufnahmen nicht annähernd so gut wie bei Tageslicht. Kleine Kameras stoßen bei wenig Licht technisch einfach an ihre Grenzen. Das ist mir an dieser Stelle aber völlig egal. Hier geht es nicht um einen technischen Kameratest, sondern um Erinnerungen. Niemand schaut sich Jahre später euren Urlaubsfilm an und denkt über Bildrauschen nach. Man erinnert sich daran, wie sich dieser Abend angefühlt hat. Und genau deshalb gehören solche Aufnahmen unbedingt in einen Familienfilm.
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Weniger Übergänge machen deinen Urlaubsfilm oft sogar besser
Gerade wenn man ein neues Schnittprogramm entdeckt, möchte man am liebsten jeden verfügbaren Übergang ausprobieren. Das ist völlig normal. Schließlich sehen viele Effekte auf den ersten Blick beeindruckend aus. Bei Timeshift-Aufnahmen gilt allerdings genau das Gegenteil. Hier solltest du Übergänge nur sehr sparsam einsetzen.
Ich verwende sie hauptsächlich dort, wo sie den Zuschauer tatsächlich von einem Ort zum nächsten führen. Ein schönes Beispiel ist der Weg vom Hotel zur Badebucht oder vom Hotelgarten bis zum Strand. Hier unterstützt der Übergang die Geschichte deines Films und wirkt deshalb ganz selbstverständlich. Werden dagegen ständig spektakuläre Effekte eingebaut, steht irgendwann nicht mehr euer Urlaub im Mittelpunkt, sondern die Technik. Und genau das wollen wir vermeiden.
Mit Timeshift erzählst du eine Geschichte statt nur Wege zu zeigen
Genau darin liegt die eigentliche Stärke dieser Funktion. Du zeigst nicht einfach einen Weg durch die Hotelanlage, sondern nimmst den Zuschauer mit auf eine kleine Reise. Aus einzelnen Urlaubsszenen entsteht plötzlich eine zusammenhängende Geschichte. Man läuft scheinbar gemeinsam mit euch zum Pool, spaziert mit euch zum Frühstück oder begleitet euch auf dem Weg zum Abendessen.
Diese kleinen Wege verbinden später die einzelnen Szenen deines Films miteinander. Statt einer Aneinanderreihung schöner Aufnahmen bekommt dein Urlaubsfilm einen roten Faden. Genau dadurch wirkt er ruhiger, hochwertiger und gleichzeitig persönlicher.
Warum gerade diese kleinen Wege später die schönsten Erinnerungen wecken
Interessanterweise sind es oft gar nicht die großen Sehenswürdigkeiten, an die wir uns Jahre später zuerst erinnern. Viel häufiger denken wir an die kleinen Routinen eines Urlaubs. An den Weg zum Frühstück, an den kurzen Spaziergang zum Pool oder daran, wie ihr jeden Abend gemeinsam durch die beleuchtete Hotelanlage gelaufen seid.
Während des Urlaubs erscheinen diese Momente völlig selbstverständlich. Niemand bleibt stehen und denkt: Diesen Weg werde ich später vermissen. Genau deshalb filmt ihn auch fast niemand. Erst viele Jahre später merkt man, wie wertvoll genau diese Aufnahmen geworden sind. Sie holen nicht nur Bilder zurück, sondern das gesamte Urlaubsgefühl.
Erinnerungen sind wichtiger als Perfektion
Vielleicht wirst du beim Anschauen deiner Aufnahmen feststellen, dass nicht jede Kamerafahrt hundertprozentig gerade geworden ist oder dass eine Nachtaufnahme etwas mehr Bildrauschen besitzt. Das spielt bei einem Familienfilm überhaupt keine Rolle. Viel wichtiger ist, dass du diese Momente überhaupt festgehalten hast.
Ich glaube, genau das ist einer der häufigsten Fehler vieler Hobbyfilmer. Sie warten auf die perfekte Aufnahme und übersehen dabei die wertvollsten Erinnerungen. Dabei reicht oft schon ein ruhiger Spaziergang mit der 360° Kamera durch die Hotelanlage aus, um später sofort wieder das Gefühl dieses Urlaubs zurückzuholen.
Timeshift ist nur eine von vielen Möglichkeiten deiner 360° Kamera
Die meisten Besitzer einer 360° Kamera kaufen sie wegen spektakulärer Effekte wie Tiny Planet oder außergewöhnlicher Weitwinkelperspektiven. Das macht natürlich auch jede Menge Spaß. Das eigentliche Potenzial dieser Kameras liegt aber häufig in den Funktionen, die viel unauffälliger arbeiten. Timeshift gehört für mich ganz klar dazu.
Mit wenig Aufwand entstehen Aufnahmen, die deinen Zuschauer nicht beeindrucken sollen, sondern ihn mitten hinein in eure Urlaubserinnerungen versetzen. Genau das macht später den Unterschied zwischen einer Sammlung schöner Videoclips und einem echten Urlaubsfilm, den sich die ganze Familie auch Jahre später noch gerne gemeinsam anschaut.
Timeshift ist übrigens nur eine von vielen Techniken, mit denen du aus einem gewöhnlichen Urlaubsvideo einen echten Erinnerungsfilm machen kannst. Wenn du noch mehr solcher Ideen kennenlernen möchtest, dann schau gerne in meinem Actioncam-Webinar vorbei. Dort zeige ich dir viele weitere Techniken und kreative Perspektiven speziell für Familien und Hobbyfilmer. Du erfährst unter anderem, wie du spektakuläre Aufnahmen mit deiner 360° Kamera oder Actioncam machst, ohne komplizierte Technik und ohne stundenlange Nachbearbeitung.
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Über den Autor
Christian Sunderdiek ist Profi-Filmemacher und hat über 18 Jahre Erfahrung im Filmen und im Videoschnitt. Für die Leser dieses Blogs gibt er regelmässig kostenfreie Webinare für Hobby-Filmer.